«Ein Zentrum, um das uns viele Städte beneiden»
Die Produktion von Peripherie und Zentralität rund um den Bahnhof Luzern.
Artikel, verfasst mit Riccardo Pardini, in:
Katharina Graf & Niklaus Reichle (Hg.): Hinter den Gleisen. Die Entwicklung der Bahnhofsquartiere in Schweizer Städten. Seismo Verlag, Zürich 2018 (324 S.)
Link zum Buch
Die Produktion von Peripherie und Zentralität rund um den Bahnhof Luzern. Ein Beitrag im Sammelband «Hinter den Gleisen», herausgegeben von Katharina Graf und Niklaus Reichle. Die Geschichte des Luzerner Bahnhofs, gelesen mit Ansätzen, die die Produktion des Raumes als konfliktgeladene Aushandlung gesellschaftlicher Verhältnisse verstehen.
«In diesem Artikel haben wir argumentiert, dass die aktuelle Entwicklung des Luzerner Bahnhofs und der ihn umgebenden städtischen Areale nur verstanden werden kann, wenn wir historisch betrachten, welche Akteure mit welchen Logiken versuchten, den Bahnhof in die Stadt einzugliedern und die Zentrumsfunktionen des Bahnhofsareals zu verändern, aber auch wie der historisch gewachsene Bahnhofsraum selbst die räumliche und gesellschaftliche Ordnung Luzerns beeinflusste. Anhand der Geschichte des Luzerner Bahnhofs wird deutlich, dass das Zentrum der Stadt Luzern historisch und gesellschaftlich produziert ist. Die damit verbundene Wandelbarkeit hebt die historische Dimension von Zentralität und somit auch ihre Veränderbarkeit hervor. So war der Bahnhof Luzern immer wieder Bezugspunkt für die ökonomische Erschliessung neuer Räume und Bereiche (Areale, Quartiere, kapitalintensive Infrastruktur, Fremdenverkehr, Kultur, Immobilienmarkt, Dienstleistungsökonomie). Doch seine Bedeutung für die Stadt Luzern geht über die territoriale und wirtschaftliche Dimension hinaus. Versucht man mit Lefebvre das Bahnhofsareal als sozial produzierten Raum zu verstehen, rückt der Bahnhof als architektonisches Objekt in den Hintergrund. Vielmehr erscheint er als Seismograf gesellschaftlicher Verhältnisse, da er eine wichtige Rolle für die Aushandlungsprozesse städtischer Zentralität spielt. So entpuppt sich der Bahnhof als gehaltvoller Untersuchungsgegenstand für Fragen zu gesellschaftlichen Machtverhältnissen in der Herstellung von Zentralität und Peripherie, von Teilhabe und Ausschluss im städtischen Raum.»
Rezension zum Artikel bei zentralplus:
