Die Produktion von Peripherie und Zentralität rund um den Bahnhof Luzern. Artikel, verfasst mit Riccardo Pardini, in:
Katharina Graf & Niklaus Reichle (Hg.): Hinter den Gleisen. Die Entwicklung der Bahnhofsquartiere in Schweizer Städten. Seismo Verlag, Zürich 2018 (324 S.)
Die Produktion von Peripherie und Zentralität rund um den Bahnhof Luzern. Ein Beitrag im Sammelband «Hinter den Gleisen», herausgegeben von Katharina Graf und Niklaus Reichle. Die Geschichte des Luzerner Bahnhofs, gelesen mit Ansätzen, die die Produktion des Raumes als konfliktgeladene Aushandlung gesellschaftlicher Verhältnisse verstehen.
«In diesem Artikel haben wir argumentiert, dass die aktuelle Entwicklung des Luzerner Bahnhofs und der ihn umgebenden städtischen Areale nur verstanden werden kann, wenn wir historisch betrachten, welche Akteure mit welchen Logiken versuchten, den Bahnhof in die Stadt einzugliedern und die Zentrumsfunktionen des Bahnhofsareals zu verändern, aber auch wie der historisch gewachsene Bahnhofsraum selbst die räumliche und gesellschaftliche Ordnung Luzerns beeinflusste. Anhand der Geschichte des Luzerner Bahnhofs wird deutlich, dass das Zentrum der Stadt Luzern historisch und gesellschaftlich produziert ist. Die damit verbundene Wandelbarkeit hebt die historische Dimension von Zentralität und somit auch ihre Veränderbarkeit hervor. So war der Bahnhof Luzern immer wieder Bezugspunkt für die ökonomische Erschliessung neuer Räume und Bereiche (Areale, Quartiere, kapitalintensive Infrastruktur, Fremdenverkehr, Kultur, Immobilienmarkt, Dienstleistungsökonomie). Doch seine Bedeutung für die Stadt Luzern geht über die territoriale und wirtschaftliche Dimension hinaus. Versucht man mit Lefebvre das Bahnhofsareal als sozial produzierten Raum zu verstehen, rückt der Bahnhof als architektonisches Objekt in den Hintergrund. Vielmehr erscheint er als Seismograf gesellschaftlicher Verhältnisse, da er eine wichtige Rolle für die Aushandlungsprozesse städtischer Zentralität spielt. So entpuppt sich der Bahnhof als gehaltvoller Untersuchungsgegenstand für Fragen zu gesellschaftlichen Machtverhältnissen in der Herstellung von Zentralität und Peripherie, von Teilhabe und Ausschluss im städtischen Raum.»
Endlich! Fast fünfzig Jahre hat es gedauert, bis Henri Lefebvres Le droit à la ville auf Deutsch übersetzt wurde. Im März 1968 wurde es erstmals auf Französisch publiziert. Lefebvre hat die Streitschrift innert wenigen Monaten auf Papier gebracht, als sich die Turbulenzen des Pariser Mai 1968 bereits ankündigten. Der Philosoph, damals an der Universität Paris Nanterre lehrend, war mit Gruppen der StudentInnenbewegung verbunden, insbesondere der Situationistischen Internationale, mit der er bis zu einem Streit mit Guy Debord einen regen inhaltlichen Austausch pflegte. «Unter den Pflastersteinen liegt der Strand», skandierten damals die SituationistInnen. Und knapp hundert Jahre nach der Pariser Commune von 1871 war es erneut der städtische Raum (und nicht etwa die Fabrik), wo der antikapitalistische Widerstand kulminierte. Auch deshalb barg Lefebvres Buch Sprengkraft: Es vermochte der «Wiedereroberung der Stadt» (S. 46) eine philosophische Grundlage und einen politischen Slogan zu geben: Das Recht auf Stadt.
In den letzten Jahren ist das Recht auf Stadt wieder zu einem viel benutzten «Appell» und «einer Forderung» (S. 165) städtischer Bewegungen geworden. Selten hatte ein Buch, zumindest im deutschsprachigen Raum, einen so grossen «impactbeforepublication», wie Christoph Schäfer in seinem Vorwort bemerkt. Ausgehend vom Hamburger Recht-auf-Stadt-Netzwerk sind im letzten Jahrzehnt in vielen deutschsprachigen Städten stadtpolitische Zusammenschlüsse entstanden. Doch auch in den USA besteht ein Right-to-the-City-Network, Wohnungslose in Durban, Künstlerinnen in Caracas und selbst die Unesco berufen sich auf den Slogan. Das Recht auf Stadt eignet sich als Mantelkonzept für vielfältige städtische Kämpfe – doch läuft es deshalb auch Gefahr, zu einem mit Bedeutung überfrachteten Begriff zu werden und an politischer Kontur zu verlieren.
Die (sehr gute) Übersetzung kommt also zu einem wichtigen Zeitpunkt. Enttäuscht wird jedoch, wer ein konkretes politisches Programm vorzufinden hofft. Lefebvre schreibt poetisch, suchend, legt erste Gedankenstützen für seine Stadt und Raumphilosophie, die er später in La révolution urbaine (1970) und La production de l’espace (1973) systematischer ausarbeiten wird. Die Konzepte sind politisch aufgeladen, doch bleiben sie offen, auch mit Absicht: Ein politisches Projekt wird nicht in der Theorie, sondern in einer gesellschaftlichen Praxis erarbeitet, von der wiederum die Philosophie Teil ist. Lefebvre versucht, Marx’ «Aufhebung der Philosophie in der Praxis» zu verwirklichen, «das Denken und das Handeln für Möglichkeiten zu öffnen, indem Perspektiven und ein Weg aufgezeigt werden», wie er in der «Vorwarnung» des Buches schreibt (S. 27).
Über weite Strecken ist die 173 Seiten lange Schrift denn auch ein Mäandern durch die Geschichte der Stadt und der Philosophie. Es wird gezeigt, wie das Denken vom antiken Athen bis zu den Stadtstaaten der Renaissance von dem urbanen Leben ausging. Damals, beobachtet Lefebvre, sei die Stadt noch als Gebrauchswert produziert worden, als œuvre, als (Kunst-)Werk. Denn: «Der höchste Gebrauch der Stadt […] ist das Fest.» (S. 31) Deshalb seien Städte noch Zentren des gesellschaftlichen Lebens gewesen. Gewiss, Lefebvre blendet so die damaligen Herrschaftsstrukturen aus, womit er einer Nostalgie für die vorindustrielle Stadt zu verfallen scheint. Doch der nostalgische Blick verfällt keinem «Früher war alles besser», er richtet sich nach vorne, indem er in dem nur scheinbar Verlorenen das revolutionäre Potenzial des Urbanen erblickt: «Es ist eine geistige und soziale Form, die der Gleichzeitigkeit, der Versammlung, des Zusammenwirkens, der Begegnung.» (S. 124f.) Die Dichte der Städte ermöglicht die Begegnung von Differenzen und die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, an der Zentralität. Das Urbane ist so potenziell integrierend, es weckt den Wunsch nach Selbstbestimmung.
Mit der Industrialisierung kommt es zu einer «Krise der Stadt», die Lefebvre mit dem Doppelbegriff «Explosion/Implosion» fasst (S. 38): Die Städte explodieren, an ihren Rändern nahe der Industrie wuchern neue ArbeiterInnensiedlungen und Elendsviertel. Gleichzeitig implodieren die Innenstädte. Sie verfallen oder werden zu monotonen Geschäftszonen. Das städtische Leben, durch die kunstvollen Innenstädte beflügelt, verschwindet. «Der Tauschwert, die allgemeine Durchsetzung der Ware im Zug der Industrialisierung, unterwirft sich tendenziell die Stadt.» (S. 33) Damit setzt Lefebvre den marxistischen Widerspruch zwischen Gebrauchs- und Tauschwert als grundlegenden Konflikt des Rechts auf Stadt.
Die Industrialisierung trägt die Urbanisierung also in sich, ja diese selbst ist «Ziel und Finalität der Industrialisierung» (S. 195). Diese dialektische Verbindung von Industrialisierung und Urbanisierung aufzuzeigen war eine damals neue, vom Marxismus vernachlässigte These, mit der Lefebvre quasi im Vorbeigehen der marxistischen Stadtforschung die Tür öffnete und die in der Folge etwa zur Grundannahme der urbanen politischen Ökonomie David Harveys wird. Lefebvre selbst entfernt sich sodann wieder von der ökonomischen Analyse: Er sieht die kapitalistische Urbanisierung als Klassenstrategie der aufstrebenden Bourgeoisie, welche die ihr unwohle Unordnung des urbanen Lebens zu kontrollieren sucht: Baron Haussmann, von 1853 bis 1870 Stadtplaner von Paris, reisst die ArbeiterInnenviertel nieder und baut grosse, dem Militär zugängliche Boulevards. Die Innenstadt wird zum Konsum und zum «Entscheidungszentrum» (S. 184), die Teilhabe an der Macht verschränkt sich mit der Teilhabe an der Zentralität der Stadt; ein verräumlichter Klassenkampf, der in der Pariser Kommune von 1871 mündet und – wie von Haussmann vorgesehen – mit dem Einmarsch des französischen Militärs in Paris eine vorläufige Entscheidung findet.
Über weite Teile konzentriert sich Lefebvre jedoch auf die «Krise der Stadt» der 1960er-Jahre: In Paris werden die Grandes Ensembles gebaut, modernistische Wohnblöcke in den Banlieues. Die ArbeiterInnenschaft wird in «Wohngebiete» am Stadtrand verbannt. Der Urbanismus wird zur «Ideologie und Praxis» (S. 28). Er gibt vor, die Stadt sei durch «Spezialwissenschaften» berechenbar und ihre Probleme durch technokratische Planung zu lösen. Was diese modernistische Raumplanung aber bewirkt, sei letztlich eine «desintegrierende Integration». Sie baue eine Stadt, die das Urbane fortwährend zu zerstören versucht. Lefebvre spricht deshalb mit Blick auf die «Wohngebiete» auch von einer «desurbanisierenden Urbanisierung». Dieser Analyse sollte erneut Aufmerksamkeit geschenkt werden, denn heute sind es dieselben Banlieues, die als «Terrorquartiere» oder «No-go-Zonen» Eingang in die migrationspolitischen Debatten gefunden haben. Lefebvres Analyse ermöglicht damit, die stadtpolitische Dimension der «Integrationsfrage» in den Fokus zu nehmen.
Doch was ist nun mit dem Recht auf Stadt? Lefebvre lässt sich Zeit – und hält sich kurz: Erst im drittletzten Kapitel spricht er zum ersten Mal vom Recht auf Stadt, das er mit folgendem Befund einleitet: «Die historisch geformte Stadt lebt nicht mehr, lässt sich praktisch nicht mehr erfassen. Sie ist nur noch ein Gegenstand kulturellen Konsums für die Touristen, für den Ästhetizismus, der nach Spektakel und Pittoreskem lächzt». (S. 150) Doch das Recht auf Stadt sei kein «einfaches Recht auf Besuch oder Rückkehr in die traditionellen Städte» (S. 166). In der «Einleitung zu Raum und Politik», welche dem Buch als Nachwort angehängt ist, macht Lefebvre auf den letzten Seiten deutlicher, was er unter dem Recht auf Stadt versteht: Ein «Recht auf Begegnung und Versammlung», als Teilhabe aller StadtbewohnerInnen an einer erneuerten «Zentralität», das Recht, «in allen Kommunikations-, Informations- sowie Tauschnetzen und -kreisläufen berücksichtigt zu werden» (S. 215f.).
Das Urbane, das potenziell in den desurbanisierten Städten schlummert, soll verwirklicht werden, ein «städtisches Leben in verwandelter, erneuerter Form» (S. 150). In der Diskussion über das Buch wird deshalb immer wieder betont, dass das Recht auf Stadt nicht als bürgerliches Recht verstanden werden könne. Vielmehr sei es eine politische Praxis, die sich die «Aneignung» des städtischen Raumes zum Mittel und Ziel mache. Hier wird die Nähe Lefebvres – 1958 wegen kritischen Äusserungen zur Politik der Sowjetunion von der Kommunistischen Partei Frankreichs ausgeschlossen – zu den radikalen sozialistischen Gruppen Frankreichs erkennbar, die die Sowjetunion als Staatskapitalismus analysierten und jegliche Form der Bürokratisierung ablehnten. Lefebvre übernimmt deren Forderung nach «autogestion generalisée» (im Buch als «verallgemeinerte Selbstverwaltung» übersetzt) und versucht, sie städtisch zu denken.
Darin mögen sich Besetzerinnen, Künstler und Aktivistinnen wiederfinden, die sich die Aneignung und die Selbstverwaltung des städtischen Raumes in kulturellen Freiräumen, Quartierinitiativen oder selbstorganisierten Wohnprojekten zur politischen Strategie gemacht haben. Lefebvre macht diese «urbanistischen Projekte», die «hellsichtig ‹utopisch›» seien (S. 161), als essenziellen Bestandteil seiner schemenhaft dargestellten «urbanen Strategie» aus. Ebenfalls Teil dieser Strategie ist ein «politisches Programm der Stadtreform» (S. 160), das sich auf wissenschaftliche Erkenntnisse stützt und versucht, in die Tagespolitik der Stadtplanung einzugreifen. Denn gerade weil die bestehenden gesellschaftlichen Verhältnisse den städtischen Raum erst produzieren, stellt der Kampf um eine andere Produktion von Stadt auch gesellschaftliche Verhältnisse infrage: «An sich reformistisch, wird die Strategie der Sanierung der Stadt ‹zwangsläufig› revolutionär, nicht durch die Kraft der Dinge, sondern gegen die etablierten Dinge.» (S. 159) Dies mag besonders jenen sozialdemokratischen Kräften ein Mahnwort – oder eine Perspektive – sein, die in vielen von ihnen regierten Städten den neoliberalen Umbau selbst vollzogen haben.
Doch fordert solch eine «auf die Wissenschaft von der Stadt gestützte urbane Strategie» (ebd.) auch die Sozialwissenschaften heraus. Gerade dort wird Lefebvre seit einigen Jahren vermehrt Aufmerksamkeit geschenkt, nicht zuletzt dank der deutschsprachigen Arbeiten von Christian Schmid. Lefebvres Konzept der dreidimensionalen Raumproduktion erfreut sich einer vielfältigen Ausarbeitung für methodologische Forschungsdesigns (inklusive der des Rezensenten). Doch einer solchen Aneignung durch die Sozialwissenschaften droht die Gefahr, Lefebvre «unter weitgehender Ausblendung seiner revolutionstheoretischen Ambitionen» zu lesen, wie Klaus Ronneberger in einem Interview mit der WOZ vom 3. April 2014 mahnte. Dies ist spätestens dann der Fall, wenn Architekten wie Herzog & de Meuron, Marcel Meili und Roger Diener sich Lefebvre als theoretisches Gerüst für ihren raumpolitischen Entwurf Die Schweiz. Ein städtebauliches Portrait (2005) aneignen. Zwar hebt sich so die Philosophie in der Praxis auf. Nur in der falschen.
Eine Beschäftigung mit Lefebvres stadtpolitischer Streitschrift scheint also heute dringender denn je. Doch, so glaube ich, nicht hauptsächlich für aktivistische Stadtgruppen, die das Recht auf Stadt bereits zur Praxis machen und «einen Weg aufzeigen» – sondern vor allem für Wissenschaftlerinnen und Stadtpolitiker, die den an sie gerichteten Appell Lefebvres bisher nur allzu gerne überhört haben. Die Herausforderung besteht heute darin, an Lefebvres Projekt einer neuen «Wissenschaft der Stadt» zu arbeiten, die mehr ist als eine Kritik der neoliberalen Produktion des Raumes: Eine Wissenschaft, die ausgehend von der gesellschaftlichen Praxis der Recht-auf-Stadt-Initiativen «Perspektiven aufzeigt», wie eine andere, emanzipatorische Produktion von Stadt gedacht und stadtpolitisch umgesetzt werden kann.
Esteban Piñeiro / Seraina Winzeler (Hg.): Wohnungsnot als gesellschaftlicher Konflikt. Alfred Kunz und die Gemeinnützige Stiftung Wohnhilfe Basel. Schwabe Verlag, Basel 2017 (302 S.)
Wie der Untertitel deutlich macht, ist der vorliegende Sammelband im Auftrag der Gemeinnützigen Stiftung Wohnhilfe Basel entstanden. Die Stiftung Wohnhilfe stellt seit 1979 «randständigen» Menschen in Basel kostengünstigen Wohnraum zur Verfügung und fördert mit betreutem Wohnen deren sogenannte Wohnkompetenz. Federführend bei der Gründung war der 2012 verstorbene reformierte Pfarrer Alfred Kunz. Dessen ausführliches Privatarchiv stellt den grossen Fundus für die empirischen Daten der Texte.
Das Buch ist Resultat eines Forschungsprojektes der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) für Soziale Arbeit und reflektiert das sozialarbeiterische Tätigkeitsfeld der Stiftung Wohnhilfe und dessen Geschichte. Herausgegeben wird das Buch von Esteban Piñeiro, Dozent an der FHNW und selbst von 2003 bis 2016 Stiftungsrat der Wohnhilfe, sowie Seraina Winzeler, Filmwissenschaftlerin aus Zürich.
Es ist erfreulich, dass diese «Auftragsarbeit» weit mehr wurde als eine kritische Würdigung der Stiftung: Wie der Titel Wohnungsnot als gesellschaftlicher Konflikt andeutet, verorten die HerausgeberInnen die Entstehung der Stiftung in den Auseinandersetzungen der Kommunen-, MieterInnen- und Jugendbewegungen im Basel der 1960er- bis 1980er-Jahre. Das mit etlichem Fotomaterial versehene und ansprechend gestaltete Buch leistet denn auch eine wertvolle sozialhistorische Darstellung dieser bisher kaum akademisch aufgearbeiteten Basler Bewegungsgeschichte.
Herzstück des Sammelbandes ist der gut 120 Seiten umfassende Aufsatz der HerausgeberInnen. Esteban Piñeiro und Seraina Winzeler stöbern sich auf «genealogischer» Spurensuche durch den Nachlass von Alfred Kunz, durch Polizeiakten, Vollversammlungsprotokolle und die bewegungseigenen Filme, um die «Entstehungsherde» der Stiftung Wohnhilfe aufzuspüren (S. 34).
Daran anschliessend analysiert Sandra Janett, wie sich die aus der Bewegung entstandene Stiftung Wohnhilfe von einer autonomistisch agierenden Organisation stufenweise zu einer professionalisierten Wohnbetreuung entwickelte, die mittlerweile finanzielle Mittel der Stadt erhält. Andreas Manz, Gründungsmitglied und ehemaliger Stiftungsrat, diskutiert die in der Stiftung vorhandenen Widerstände gegen den «Sozialarbeiterismus» und die Probleme der Professionalisierung. Silke Müller-Hermann beleuchtet mit etwas viel Methodentreue die Biografie von Alfred Kunz. Das Buch schliesst mit zwei kurzen Aufsätzen von Urs Kaegi sowie Peter Kurz und Axel Delvoigt zu Gegenwart und Zukunft der Wohnhilfe. Die Beiträge zur Stiftung zeigen besonders für eine sozialarbeiterisch informierte und interessierte LeserInnenschaft eine erhellende Innenperspektive auf die Entwicklung der professionellen Wohnbetreuung.
Für alle, die sich aus Halbdistanz vor allem für die Kontextualisierung der Wohnbetreuung in Stadtentwicklung und Bewegungsgeschichte interessieren, ist der Aufsatz von Piñeiro und Winzeler von besonderem Interesse. Seine leitende These: Öffentliche Proteste – die sich besonders durch autonome Raumaneignungen und alternative Lebensformen gegen die «bürgerliche Ordnung» richteten – wurden über die Jahre durch die Soziale Arbeit individualisiert und in «pädagogisch-private Fälle» heruntergebrochen.
Mithilfe einer auf Henri Lefebvre abstützenden Raumtheorie, die die machtvolle Co-Produktion von Raum und Gesellschaft betont, fragen Piñeiro und Winzeler, wie der Wohnraum und der öffentliche Raum von den Bewegungen nicht nur als Bühne genutzt, sondern als Gegenstand der Proteste neu definiert wurden. Dabei begreifen sie diese Räume mit dem Foucault’schen Begriff der «Heterotopie» als Gegenräume. Anhand der Kommunenbewegung der 1960er-Jahre zeigen sie, was sie damit meinen: Die Kommunen haben versucht, die «bürgerliche Ordnung» umzustürzen, indem sie durch die direkte Aneignung von (Wohn-)Räumen neue gemeinschaftliche Lebensformen schufen. Diese Heterotopien richteten sich gegen die gesellschaftliche Ordnung, ihre gesellschaftspolitische Bedeutung löste sich aber aufgrund mangelnder öffentlicher Artikulation und des Rückzugs ins Private bald auf.
Im darauffolgenden Jahrzehnt der 1970er-Jahre kam es im von Wohnungsnot geprägten Basel zu weiteren wohnpolitischen Aktionen. Die BewohnerInnen von abrissbedrohten Häusern begannen, sich zu organisieren. Die Kündigung ihrer Mietverträge sahen sie als Ausdruck einer primär renditeorientierten Stadtplanung. Die von der Partei Progressive Organisationen Basel (POB) und teilweise von den SozialdemokratInnen mitgetragene Bewegung verstand die Häuserkämpfe «als Teil eines strategisch ausgerichteten sozialpolitischen Kampfes» (S. 92). Das breite Bündnis setzte auch parlamentarische Mittel ein und benutzte verstärkt den öffentlichen Raum als Protestbühne, etwa bei einem Sleep-in auf dem Marktplatz. Die AutorInnen argumentieren, dass es den MieterInnenkämpfen – im Gegensatz zu den Kommunen – nicht gelungen sei, Gegenräume zu erzeugen: «Nicht die Lebensform wird hier politisiert, sondern ein sozialpolitisches Problem aufgeworfen. […] Der Gegenraum bleibt eine Leerstelle.» (S.92) Diese Analyse erstaunt, denn auch die MieterInnen besetzten ihre Häuser und begannen, sie selbst zu verwalten.
Den AutorInnen geht es jedoch darum, den Gegensatz zwischen wohnpolitischem Kampf und der Aneignung von Gegenräumen als Grund der sich gegen Ende der 1970er-Jahre abzeichnenden «Abspaltung der Jugendbewegung von der Mieterbewegung» aufzuführen (S. 100). Die Jugendbewegung will nicht mehr wohnpolitische Forderungen stellen: Im Februar 1981 eröffnet sie mit der Besetzung eines Eckhauses an der Solothurner-/Pfeffingerstrasse ein autonomes Jugendzentrum (AJZ). Damit richtet sich der Fokus der Bewegung, wie bereits in den 1960er-Jahren, auf das Innere des Gegenraums, der in den Bewegungsfilmen als «Festung inmitten eines hegemonialen städtischen Arrangements inszeniert» (S. 104) werde. Allerdings bildet sich in dieser «Festung» kaum eine Organisationsstruktur. Passiver Konsum sowie Drogen- und Gewaltprobleme strömen unkontrolliert in den Gegenraum, konsterniert stellt die Bewegung selbst fest, dass das AJZ innert wenigen Wochen zu einem «mistkübel für die scheissgesellschaft» (S. 127) wurde. Das AJZ, so die AutorInnen, müsse deshalb als «Heterotopie ex negativo» (S.124) betrachtet werden, als ein Gegenraum, der sich nicht über die eigenen Inhalte definierte, sondern über die Ablehnung der bürgerlichen Regeln. Diese projizierte sich jedoch in den Gegenraum und kehrte sich dort um: Es entstand keine hierarchiefreie Basisdemokratie, sondern ein Recht des Stärkeren. Die Utopie der Autonomie wurde zur Dystopie der Anomie.
Die aufkeimenden Konflikte im und um das AJZ nutzte die Basler Regierung dazu, die Bewegung als Sicherheitsrisiko darzustellen. Auch in der Nachbarschaft stiess das AJZ auf Widerstand, sodass sich gar «Bürgerwehren und Rockerbanden» (S.131) bildeten, die sich mit den AJZlerInnen prügelten. Die Polizei schien zwischenzeitlich die Kontrolle über die Nachbarschaft zu verlieren, im Mai 1981 räumte sie schliesslich das AJZ. Damit beenden die AutorInnen auch die Erzählung der Bewegung – leider, denn auch in den auslaufenden Achtzigern kam es zu Besetzungen, die Gegenräume zu eröffnen versuchten und Basels Behörden weiterhin auf Trab hielten.
Nun fragen Piñeiro und Winzeler, wie der «anomische Gegenraum des AJZ zum Ausgangspunkt hegemonialer Praktiken [wurde], mittels derer sich die negativen Entwicklungen in die ‹richtigen Bahnen› lenken liessen» (S. 17). Dazu brauchte es eine diskursive Verschiebung, welche ausgehend von der Wohnungsnot hin zur Autonomie schweifte, die danach von der Regierung zu einem Sicherheitsproblem stilisiert wurde. Schliesslich wurde die Bewegung paternalisiert und die sozialen Probleme der «verwahrlosten Jugend» hervorgehoben, die es nun, so der Regierungsrat, mit «Zuneigung, Pflege und Unterstützung» (S. 142) anzugehen gelte. Die Soziale Arbeit sollte in der Folge die kollektiv-politische Aneignung von Gegenräumen durch eine individuell-sozialarbeiterische Behandlung der Wohnungsfrage ablösen. Dies, indem die Wohnhilfe – so das raumtheoretische Argument – in ihren Wohnungen kontrollierte «Abweichungsheterotopien» schuf, die die Autonomieforderungen in einen institutionalisierten Rahmen überführten. Piñeiro und Winzeler stellen fest: «Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass Soziale Arbeit historisch gesehen selbst das Produkt sozialer Bewegungen ist, denen sie mit zunehmender Professionalisierung nun das Wasser abzugraben scheint.» (S. 24)
Diese Interpretation stellt der damals entstehenden Stiftung Wohnhilfe eigentlich kein gutes Zeugnis aus. Als kritische Analyse, die sich nicht auf ein solches Verdikt reduzieren lässt, eröffnet sie jedoch das Potenzial, die Herausforderungen sozialarbeiterischer Wohnbetreuung in der aktuellen politischen Lage Basels, ausgehend von ihrer Entstehungsgeschichte, zu untersuchen.
Dafür aber muss, wie von den AutorInnen nur an wenigen Stellen angetönt, über die Raumtheorien hinausgedacht werden. Denn der Fokus auf Heterotopien kann sowohl in der Theorie wie in der Praxis die Illusion befördern, dass Machtverhältnisse im Innern der Heterotopie ausgeschaltet oder umgedreht werden könnten. Das verdeckt, um bei einem Bild von Michel Foucault zu bleiben, dass die heterotopen Räume eben nur kleine Nussschalen sind, die in einem gesellschaftlichen Meer von machtvollen Strömungen hin- und hergeschoben werden.
Die Stiftung Wohnhilfe entwickelte sich in einer Zeit, als sich der Wohnungsmarkt in Basel bei Rückgang der Wohnbevölkerung langsam entspannte. Seit einigen Jahren besteht in Basel wieder Wohnungsnot. Die rot-grüne Regierung verfolgt – so diskutierten dies unlängst Olivia Jost und Hans Schäppi in Widerspruch 68 – eine neoliberale Stadtpolitik, die der privatwirtschaftlichen Verfassung des Wohnungsmarktes Vorschub leistet. Die im Buch diskutierte Anbindung der Stiftung an die städtische Sozial- und Wohnpolitik bedeutet in diesem Kontext auch, dass die Stadt die Verantwortung für die Wohnungsfrage an soziale Institutionen delegiert und die «aus dem Wohnungsmarkt Gefallenen» nicht als politisches, sondern als spezifisch sozialarbeiterisches Problem zu definieren versucht. Damit steht nicht mehr die den gesamten Wohnungsmarkt betreffende Eigentumsordnung zur Disposition, sondern die Gestaltung sozialer Hilfe für «vom Markt Ausgeschlossene».
Piñeiro und Winzeler schreiben, dass die Stiftung Wohnhilfe die Wohnungsnot «nicht in der Tradition des klassisch sozialpolitischen Narrativs der sozialen Frage [artikulierte], die sich rund um das Klassen- und Umverteilungsproblem organisierte» (S. 25). Vielleicht ginge es aber – wie auch Sibille Hartmann im Widerspruch 69 diskutierte – im Kontext von Immobilienspekulation, Austerität und New-Public-Management gerade um die Frage, welche Rolle die Soziale Arbeit in dieser Verteilungsfrage spielt.
So legen die AutorInnen am Schluss der Einleitung überzeugend dar, dass die zentrale Herausforderung für die Sozialarbeitenden darin besteht, «eine klare Position zu beziehen: sich entweder als institutionelles oder staatliches Gegenüber von Betroffenen zu begreifen, das sich seiner normierenden und normalisierenden Position bewusst ist […] – oder aus einer professionell verstandenen Betroffenheit heraus zu agieren» (S. 19). Wie allerdings die aus dieser Betroffenheit, als «Mut von Professionellen zum zivilen Ungehorsam» (ebd.) beschriebene Herangehensweise umgesetzt werden könnte, bleibt im Buch unangedeutet offen.
Die Praxis zeigt dafür erste Ansätze. In Basel hat das Netzwerk Wohnungsnot, ein Zusammenschluss von sozialen (Wohn-)Organisationen, jüngst eine kantonale Initiative eingereicht, die das «Recht auf Wohnen» für alle StadtbewohnerInnen in die Verfassung schreiben will. Die Soziale Arbeit verbindet sich damit wieder mit der in Basel aufkeimenden wohnpolitischen Bewegung. So könnte die von den AutorInnen beschriebene Trennung aufgelöst werden, die in den 1970er-Jahren zwischen wohn- politischer Verteilungsfrage und Gegenraumkämpfen entstand. Wohnungsnot als gesellschaftlicher Konflikt liefert dazu vielfältige Denkanstösse und legt einen wichtigen Grundstein für aktuelle Wohnkämpfe – in Basel, aber auch in vielen weiteren Städten.
Obwohl die Schweiz eine «Nation ohne Kolonien» ist, haben Menschen, Kultur und Politik des «neutralen» Landes eine aktive Rolle in der Kolonialisierung des Globalen Südens gespielt. So auch im Amazonas-Gebiet und in ganz in Süd- und Mittelamerika. Besonders in Basel finden sich historische Spuren zum kolonialen Dreieckshandel, zur Rolle der christlichen Missionierung in den Kolonialherrschaften oder zur Aneignung von Wissen indigener Heilkunst durch die westliche Pharmazie.
Diese postkolonialen Verstrickungen materialisierten sich auch im Stadtraum Basels und setzen sich hier fort. Ungleiche Wirtschaftsbeziehungen mit dem Globalen Süden bestehen auch heute noch in Basel, insbesondere durch die hier ansässigen Pharma-Konzerne.
CULTURESCAPES geht deshalb mit dem Netzwerk «Basel Kolonial» auf einen zweiteiligen Rundgang, auf eine Spurensuche nach historischen und aktuellen postkolonialen Verstrickungen der Stadt und der Schweiz – mit dem Amazonas-Gebiet und darüber hinaus.
«Basel Kolonial» ist ein Zusammenschluss von Wissenschaftler*innen, Aktivist*innen, Autor*innen und Künstler*innen, die sich mit postkolonialen Ansätzen befassen. Am Stadtrundgang beteiligen sich Expert*innen aus Organisationen wie Cooperaxion, dem Netzwerk Schwarzer Frauen in der Deutschschweiz Bla*sh, der Universität Basel, der Industrie- und Migrationsgeschichte Region Basel, der Allianz gegen Racial Profiling, dem Verein Eine Stadt für Alle oder von MultiWatch.
Im ersten Teil wird in der Grossbasler Altstadt nach historischen, globalen Verbindungen der alten Basler Familien, der Basler Mission und der Universität mit dem kolonialen Handel und Denken gesucht.
Der zweite Teil führt uns in die Vergangenheit und Gegenwart der Basler Chemie- und Pharmaindustrie und deren Rolle in den globalen Wirtschaftskreisläufen, aber auch zu der Frage, wie diese Verstrickungen mit Migrationsbewegungen und -politik zusammenhängen.
Diese Studie befasst sich mit der Wohnungsnot im Kanton Basel-Stadt. Sie identifiziert Lücken der Wohnhilfe und untersucht Probleme und Herausforderungen sozialarbeiterischer Massnahmen gegen Wohnungsnot. Darauf aufbauend werden Massnahmenvorschläge im Bereich der Wohnhilfe diskutiert. Dazu leistet die Studie eine Bestandsaufnahme der Angebotslandschaft in Basel. Mit Blick auf die bereits bestehende Forschung argumentiert die Studie, dass der Fokus auf die Problemlagen ungesicherten Wohnens und des fehlenden Zugangs zu bezahlbarem Wohnraum gelegt werden sollte.
Dem explorativen Charakter der Studie entsprechend, basiert die Analyse auf einer systematischen Literaturrecherche, mit der bestehende Forschungen und Studien beigezogen wurden. Darauf aufbauend wurden 13 Expert:inneninterviews geführt und statistische Daten zur Analyse der baselspezifischen Prozesse ausgewertet.
Die Analyse der Angebote zeigt, dass Basel grundsätzlich ein gut ausgebautes Netz an Wohnhilfen besitzt. Insbesondere die finanzielle Subjekthilfe, die Wohnvermittlung sowie Angebote des betreuten und begleiteten Wohnens sind breit aufgestellt und unterstützen verschiedenste Anspruchsgruppen. Mit der Umsetzung der «Recht auf Wohnen»-Initiative wird die bisher eher schwach ausgebaute Objekthilfe gestärkt.
In den Expert:innengesprächen werden der Mangel an bezahlbarem Wohnraum genauso wie die mangelnde Zugänglichkeit zu bezahlbarem Wohnraum für sozial benachteiligte Menschen als Hauptprobleme in der Wohnhilfe beschrieben. Im Kanton Basel-Stadt hat sich die Wohnungsnot in den letzten zwei Jahrzehnten verschärft. Da die Stadt seit den 2000er-Jahren wieder an Bevölkerung gewinnt, ist die Nachfrage nach Wohnraum gestiegen. Zudem sind infolge der Tiefzinsphase Immobilien zu einer gefragten, sicheren Anlagemöglichkeit geworden, besonders der Anteil von institutionellen Anlegern nimmt zu. Die Bodenpreise steigen, sodass es schwieriger geworden ist, neuen bezahlbaren Wohnraum zu produzieren. Gleichzeitig bedeuten Aufwertungsprozesse, dass bestehender, bezahlbarer Wohnraum im Bestand verschwindet. Demgegenüber steigt die Zahl der Betroffenen, die in wohnungsbedingte Notlagen geraten.
Obwohl es eine Vielzahl sozialer Institutionen gibt, die sich mit diesen verschiedenen Notlagen befassen, stösst die Soziale Arbeit bei der Einzelfallbetreuung an ihre Grenzen. Es fehlt dafür an zugänglichem bezahlbarem Wohnraum. Die in dieser Studie gesammelten Daten zeigen, dass auf dem überhitzten Wohnungsmarkt Basels Wohnungssuchende und soziale Institutionen in Konkurrenz um sehr wenig verfügbaren bezahlbaren Wohnraum stehen. Damit stellt sich für den durchaus notwendigen Ausbau der Wohnhilfen die Herausforderung, bestehende Angebote nicht zu konkurrieren. Massnahmen, welche versuchen, Wohnhilfen auf neue Zielgruppen auszuweiten, können dazu führen, dass die Unterstützung für andere Zielgruppen erschwert wird. Um die Wohnungsnot in Basel zu vermindern, ist der Fokus deshalb nicht auf einzelne Zielgruppen oder neue Formen der Subjekthilfe zu legen.
Als bisher kaum adressierte Problemlage und dringende Ursache von Wohnungsnot sowie persönlichen Notlagen identifiziert der Bericht Aufwertungs- und Verdrängungsprozesse. Aus einer gesellschaftlichen Sicht auf die Wohnungsnot stellen diese Prozesse ein doppeltes Problem dar: Auf der einen Seite vermindert sich durch die mit der Aufwertung verbundene Verteuerung der bezahlbare Wohnraum im Bestand. Auf der anderen Seite bedeuten Verdrängungsprozesse, dass die Anzahl Wohnungssuchender zunimmt und damit die Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum steigt. Verdrängungsprozesse schaffen zudem neue persönliche Notlagen oder verstärken bestehende. Aufgrund des fehlenden Angebots an bezahlbaren Wohnungen geraten selbst vormals gesicherte Haushalte, etwa mittelständische Familien, Migrant:innen und ältere Menschen in Notlagen. Die erschwerte Wohnungssuche kann Haushalte dazu zwingen, bei der Wohnungswahl teurere Wohnungen und unangemessenen Wohnraum anzunehmen. Entscheiden sich Mietparteien, in ihren sanierten Wohnungen zu bleiben, können gestiegene Mietkosten eine Prekarisierung in anderen Lebensbereichen zur Folge haben. Oder Menschen geraten in soziale Isolation, da sie aus ihren Nachbarschaften gerissen werden und an ungünstige Wohnlagen ziehen müssen.
Insofern spielt der langfristige Erhalt der bezahlbaren Wohnungen im Bestand eine Schlüsselrolle für die Bekämpfung der Wohnungsnot. Sozialarbeiterische Interventionen sollten bei von Verdrängung Bedrohten ansetzen und sich vermehrt auf die Prävention von Notlagen konzentrieren. Gleichzeitig stellen Formen der frühzeitigen aufsuchenden Sozialen Arbeit eine wichtige Lücke im bestehenden Wohnhilfe-Netzwerk dar. Die Studie kommt deshalb zum Schluss, dass weitere Massnahmen in der Wohnhilfe folgende Ziele verfolgen sollen:
– Verdrängungsprozesse zu verhindern oder frühzeitig sozial abzufedern
-bezahlbaren Wohnraum in benachteiligten Quartieren für die dort lebende Bevölkerung langfristig zu erhalten
– den Zugang zu diesem Wohnraum für sozial benachteiligte Gruppen zu verbessern